Das made-to-pleasure Bad

1987 begann Phoenix Design erste Produkte für das Badezimmer zu gestalten. Und etablierte sich im Laufe der Jahre mit zahlreichen Innovationen und Services in diesem Bereich. 2018 erhielt das Stuttgarter Studio im World Design Index des iF die Auszeichnung “Best of Bath” und rangiert damit international als Top Designbüro der Bad-Branche. Andreas Diefenbach, Design Business Manager bei Phoenix Design, spricht über die Bad-Trends der Stunde.

Phoenix Design arbeitet seit vielen Jahren für den Badsektor. Wie haben sich die Aufträge verändert?
Sie sind zunehmend innovationsgetrieben. Die Projekte werden komplexer, vielfältiger und strategischer. Die Erwartungen unserer Kunden beschränken sich nicht mehr auf das rein stilistische Design neuer Produkte, sondern fordern die ganzheitliche Gestaltung einer Produkterfahrung. In Researches, Workshops und iterativen Prozessen kommt man dann gemeinsam dem Nutzer und der Architektur von morgen näher. Denn es steht fest: Auch im Badbereich wird das solitäre Produkt zur Sequenz des gesamten Films. Smart Living in seiner ganzen Vielfalt fordert die klassische Rolle des Designers heraus: Der Gestalter wird zu einem Orchestrator einer raumgreifenden Atmosphäre.

Wie ist der Wandel hinsichtlich der Raumgestaltung?
Die Bedeutung der einzelnen Wohnräume wird neu definiert: Heute ist das Bad eine private Wohlfühloase. Ein Ort der Ruhe und Entspannung, welcher auch eine ganz persönliche Architektursprache haben soll. Sanitärprodukte entwickeln sich weiter, weg von der reinen Funktionalität hin zu ästhetischen Objekten, die dieses Wohlgefühl mit speziellen Oberflächen, Materialien, Formen und vor allem Services unterstützten. Knapper Wohnraum verlangt auch, dass sich das Bad zum Wohnraum hin flexibel öffnet, zum „Wohnbad“ wird.

Stichwort IoT: Wie hat sich das Bad unter technischen und ökologischen Gesichtspunkten entwickelt?
Wasser ist einerseits Ressource, andererseits Urelement. Beide Aspekte haben im Bad heute Relevanz. Die Verknappung von Ressourcen erfordert neue Ideen, damit das Bad sinnvoller und nachhaltiger im Umgang mit Wasser gestaltet werden kann. Wie entwickelt und designed man einen Duschkopf, der Wasser spart? Wie kann der Zustand des energetisch aufwändig erhitzten Wassers länger beibehalten werden?
Das Bad hat sich durch die Digitalisierung zu einem Raum entwickelt, in dem die einst solitären Produkte nun in einem gemeinsamen Ökosystem miteinander, mit dem Menschen und quasi der Welt kommunizieren. Das Wasser als Element muss dabei stets neu interpretiert werden. Durch die Verwendung von Sensorik und Aktorik verfügen die Produkte heute über eine multisensorische Sprache. Um die jeweilige Marke klarer zu positionieren, erhalten sie gestalterisch gesehen eine stärkere Persönlichkeit.
Aus der Interaktion innerhalb des Ökosystems „digitales Bad“ werden Daten generiert. Durch die Analyse der Daten formen sich neue Handlungsfelder, die wiederum zu neuen innovativen Produkten und Services führen. In diesem Zusammenhang gilt es mehr denn je, die Bedürfnisse, die der Mensch im Raum Bad hat, im Sinne einer angemessenen und sinnvollen Gestaltung zu wahren.

Was sind aktuell die entscheidenden Innovationen?
An Stelle des physischen Komforts tritt immer mehr das mentale Wohlbefinden.
Das Bad „von der Stange“ ist ein Auslaufmodell, wir erfahren eine Renaissance der Maß- und Manufakturarbeit in Kombination mit architektonischer Vielfalt. Sowohl innovative Produkte als auch Services drehen sich rund um das Thema „Wohlfühlen zuhause“: Intelligente Vernetzung etwa behält die Gesundheit im Auge. Oder Licht und Musik passen sich der eigenen Stimmung an.

Welche Entwicklungen sehen Sie hinsichtlich von Materialien und Farben?
Wenn wir von einem (Wohn-)Bad ausgehen, das sich zunehmend in den Lebensraum einfügt, spielen Materialien und Farben eine essentielle Rolle. Die Farben und Materialien des Bads integrieren sich in die Gesamtarchitektur des Wohnumfeldes oder sogar des Gebäudes. Das klassische, sterile Bad in Weiß ist passé. Neue Oberflächen und Textilien, die dem Wunsch nach Wärme und Natürlichkeit entsprechen, stehen auf dem Programm. Denn je vernetzter die Welt und die Produkte von morgen werden, desto mehr hat der Mensch das Bedürfnis nach einer natürlichen und authentischen Umgebung – vor allem wenn es um die Interaktion mit dem Urelement Wasser geht.

Wie steht Phoenix Design zum Thema Farbe im Bad, das von der Messe ISH als das Trendthema kommuniziert wird?
Die moderne Architektur sucht nach den unterschiedlichsten Lösungen in der Raumgestaltung. Farbe ist dabei ein ideales Medium. Farbe kann das menschliche Wohlbefinden fördern, aber auch die architektonische Zonierung hervorragend unterstützen. Wichtig ist jedoch, dass Farbe nicht nur appliziert, sondern thematisch orchestriert wird. Das Wasser soll in einer natürlichen Umgebung erfahrbar sein, weshalb natürliche Materialien mit der passenden Farbwelt Hand in Hand gehen. Dezent eingebrachte Akzente, wie sie auch in modernen Spas auftauchen, werden langfristig die Lösung sein. Zu viel Farbe reizt die Sinne. Genau das wäre im Badezimmer jedoch kontraproduktiv.

Wohnen auf kleinem Raum ist ein Zukunftsthema. Wie wird sich Badgestaltung dahin gehend verändern? Wie lassen sich die derzeitig wichtigen Aspekte wie Wellness, Healthness & Co integrieren?
Urbanisierung und die damit verbundenen Herausforderungen werden die Designer noch lange beschäftigen. Kleinerer Wohnraum erfordert ein innenarchitektonisches und gestalterisches Umdenken. Eine modulare, raumökonomische und massenfähige neue Bauweise wird Einfluss auf die Produkte im Bad nehmen. Individualisierung kommt dann in der Kombination der Module wie auch dem CMFP und dem Umfang und Art der Digitalität zum Ausdruck. Denn das Badezimmer ist und bleibt eines der komplexesten, anspruchsvollsten und entsprechend teuersten Räume im Haus. Die Sanitärprodukte der Zukunft integrieren sich perfekt in die neue Architektur für eine neue großzügige Ästhetik des Wohnraums. Ebenso fusionieren sie mit Möbeln oder funktionsähnlichen Produkten. Einst autarke Produkte verschmelzen multifunktional in einem Modul – eine klassische Waschtischarmatur könnte zusätzliche Rollen übernehmen und sich in ihrer Funktion und Identität völlig wandeln. Diese Brüche des Bewährten werden auch in der Sanitärbranche immer deutlicher.

Was ist Ihre Vision: Wie wird das Bad im Jahr 2040 aussehen?
Das Badezimmer im Jahr 2040 wird vor allem eines tun: Sich um uns kümmern. Maßgeschneiderte „made-to-pleasure“-Programme der persönlichen Vorlieben werden in Zeiten des Internet of Me vor allem im Badezimmer als einem Ort der hedonistischen Rückbesinnung exponentielle Relevanz erfahren. Das vernetzte Leben bietet das Beste aus zwei Welten: Die Intelligenz, Personalisierung und Anpassungsfähigkeit der digitalen Welt und die interaktive, immersive Erfahrung der realen Welt. Letztere wird vor allem im Bad einen sehr analogen Charakter von Smart Living ausprägen, um uns sanftere, natürlichere und entspanntere Momente zu schenken.

Autor: Kathrin Spohr

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